Ludwig van Beethovens „Eroica“ fokussiert sich ganz auf die französische Revolution und ihre Werte von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Ursprünglich für Napoleon Bonaparte komponiert, entschied Beethoven unmittelbar nach dessen Selbstkrönung, dass der Tyrann kein historischer Held und kein geeigneter Widmungsträger für die Sinfonie sei, die selbst einen revolutionären Akt der Musikgeschichte darstellt. Damals wie heute stehen diese Werte - auf denen unsere mondernen Demokratien beruhen - unter Druck und umso dringlicher ist es Stegreif ein Anliegen die Rekomposition von Beethovens 3. Sinfonie in Europa zu verbreiten und Menschen zu inspirieren. Die Estlandtour des Stegreif Orchesters mit insgesamt drei Konzerten in Pärnu (29.04.), Tallinn (30.04.) und Tartu (01.05.) verspricht dafür einen großartigen Auftakt zu bilden.
freeEroica handelt von Revolutionen – geschichtlich wie musikalisch – und den Helden, die sie hervorgebracht haben. Ohne Noten, ohne Dirigent und ohne Stühle strebt das Orchester ihnen entgegen und sucht dabei auch nach den kleinen Umwälzungen – und mögen diese „nur“ darin bestehen, ohne Schuhe den Konzertsaal zu betreten oder das Publikum auf eine Reise vom Frankreich des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart mitzunehmen. So wird die Eroica mit Performance, Improvisation und Rekomposition neu gelebt. Zerbrochene Takte, überdimensionale Requisiten und gesprengte Orchesteraufstellungen machen Beethovens Streben nach Neuem und Unerwartetem erfahrbar in einem Werk, das als Teil des jahrhundertealten Kanons mit den heutigen Hörerwartungen nicht länger bricht.
Bild: Frederik Ferschke