Ein Auftragswerk zum 200. Jubiläum des Konzerthaus Berlin
In dem geschichtsträchtigen Konzerthaus am Gendarmenmarkt wurde 1821 Carl Maria von Webers Freischütz uraufgeführt. Aus dem Anlass des 200. Jubiläums des Konzerthaus Berlin gestaltete dieses in der Saison 2020/21 eine Reihe von Uraufführungen und Sonderprojekten unter dem Motto DER PAKT MIT DEM TEUFEL – darunter auch #explorefreischütz.
Wie für die Re-Kompositionen des Stegreif Orchesters typisch, schlagen wir auch in dieser Produktion die Brücken zwischen klassischen Originalwerken, Improvisation und anderen musikalischen Genres – und was läge in diesem Fall näher als das Volkslied. Schließlich wurde der Freischütz, nicht zuletzt wegen seiner zahlreichen volksliedhaften Melodien, zur deutschen Nationaloper stilisiert.
Diesem Erbe muss man sich heutzutage jedoch durchaus kritisch nähern.
Das Werk entstand am Übergang zwischen Klassik und Romantik. Während der Epoche der Klassik allgemein die Idee der Universalität zugeschrieben wird, so war das anschließende 19. Jahrhundert, die Epoche der Romantik, geprägt von Nationalgedanken. Diese beiden so gegensätzlich scheinenden Epochen überlagerten sich jedoch. So vollendete Ludwig van Beethoven erst drei Jahre nach Webers romantischer Nationaloper seine 9. Sinfonie – ein epochales Universalwerk der Klassik, das bis heute wie kein zweites für den europäischen Gedanken steht.
In #explorefreischütz werden diese beiden epochenprägenden Werke verschränkt und mit europäischen Volksliedern erweitert, um Fragen nach Nationalstil und europäischen Gedanken, nach Verlockung und Verführung, nach Tradition und Herkunft, nach Gemeinsamkeit und Zusammenhalt neu zu stellen. In Interaktion mit dem Publikum werden persönliche und doch universelle Erfahrungen unserer Zeit mit dem klassischen Werk verwoben und so ein neuer Ansatz für die Betrachtung des Originals geschaffen.