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Stegreif

Interview: 3 Fragen @ Marc Kopitzki

Viola | Musikalische Leitung von escape valse

Redaktion: Wie entsteht eine Stegreif Produktion?
Marc: Am Anfang steht natürlich immer die Projektkonzeption. Das geschieht überwiegend in der Zusammenarbeit von unserer Geschäftsführerin Lorina Strange und Lorenz Blaumer (Künstlerisches Management). Natürlich gibt es bei solchen neuen großen Projekten immer auch eine Rückkopplung mit dem Ensemble und wir werden beispielsweise gefragt, womit wir uns künftig mehr beschäftigen wollen: z.B. konkrete Komponist*innen, bestimmte Werke oder auch die Zusammenarbeit mit anderen Kunstformen, wie bei escape valse nun eben mit Tanz. Sind Förder*innen dann für ein Konzept gewonnen, beginnt die eigentliche Projektarbeit. Durch das Projektkonzept hat man dann bereits ein Gerüst aus z.B. externen Komponist*innen, musikalischem Ausgangsmaterial sowie ggfs. Konzert- und Workshoppartnern, auf dem man aufbauen kann. Entsprechend der projektspezifischen Anforderungen sieht die Erarbeitungsphase immer etwas anders aus.

Bild: Navina Neuschl

Redaktion: Was macht denn die Produktion von escape valse dahingehend besonders?
Marc: Bei escape valse kommen mehrere Besonderheiten zusammen: Wir arbeiten erstmals mit Tänzer*innen zusammen, also wurde der eigentlichen Kompositions- und Erarbeitungsphase eine Phase mit zwei Tanz LABs vorgeschaltet, damit sich Musiker*innen und Tänzer*innen überhaupt erstmal kennenlernen und eine gemeinsame Arbeitsweise und Bühnensprache entwickeln können. Eine weitere Besonderheit von escape valse ist, dass wir mit mehreren externen Komponist*innen zusammenarbeiten. Das musikalische Grundgerüst besteht aus sechs Sätzen beruhend auf Mike Conrads Rekompositionen von Maurice Ravels "La Valse", diese sind versetzt mit vier Fenstern, in denen andere Komponist*innen und Rekomponist*innen Gehör finden: Maria Gstättners Rekomposition von Lili Boulangers "D’un soir triste", Ralph Heidels Rekomposition von Claude Debussys "Prélude à l’après-midi d’un faune", John Hollenbecks Rekomposition von Johanna Müller-Hermanns "Streichquartett Es-Dur - op. 6" (Sätze 3 und 4) und Lisa Morgensterns Rekomposition von Lili Boulangers "D’un matin de printemps".

Um dieses umfangreiche und sehr unterschiedliche Material erarbeiten zu können, war es wichtig jetzt im Februar eine rein musikalische Probe zu haben. In den folgenden Probenphasen geht es zunehmend um die Verbindung des musikalischen und szenischen Repertoires. Und das Ziel ist natürlich die Premiere (lacht)... wobei... Das ist bei Stegreif eigentlich nie das Ende der Programmentwicklung. Man kann viel im stillen Kämmerlein annehmen und probieren, wissen was funktioniert und sich gut anfühlt, weiß man dann eben erst, wenn man in Interaktion mit dem Publikum getreten ist und das Programm auf unterschiedlichen Bühnen gespielt hat.

Redaktion: Wie gestaltest du als ‘Musikalische Leitung’ die Programmentwicklung konkret mit?
Marc: Ich bin zum ersten Mal in der Funktion der Musikalischen Leitung und somit kein eingefleischter Profi, aber ich nehme euch gerne mit und erzähle davon, wie ich versuche die Rolle auszukleiden. Ich bin seit Dezember im künstlerischen Team dabei. Seitdem war die Vorbereitung der musikalischen Probenphase im Februar meine Hauptaufgabe. Das bedeutete z.B. mit den verschiedenen Komponist*innen zu sprechen, um Verständnisprobleme im notierten Material oder auch Fragen der Interpretation zu klären. Gerade bei fünf unterschiedlichen Komponist*innen hat jede*r einen eigenen Notationsstil und eine einzigartige Klangsprache, die ich versuche zu verstehen, um der Vorstellung der Komponist*innen möglichst nahe zu kommen. Während der Probenphase kommen einer Musikalischen Leitung dann natürlich noch ganz andere Aufgaben zu. Besonders bei Stegreif - da wir ohne Dirigent*in spielen - ist dabei die Funktion eines "Ohres von Außen" absolut entscheidend. Dabei ist es wichtig, die unterschiedlichen Stimmen und die dahinterstehenden musikalischen Ideen genau zu kennen. Im Prinzip verstehe ich meine Aufgabe dabei so: Ich bin das "Ohr von Außen" und achte darauf, dass der Sound, den wir kreieren wollen, stimmig ist. Ich helfe dabei, Organisationsfragen im Ensemble zu klären, wie z.B.: Wer macht wann welche Einsätze oder welche Farben oder Atmosphären versuchen wir hier gerade zu kreieren? Und damit versuche ich eben, das Ensemble als Ganzes dabei zu unterstützen, das Material zu erarbeiten und es zu einer richtigen Stegreif Produktion zu machen.

Premiere: Doppelkonzert im Kühlhaus Berlin

Feiert mit uns die Premiere der neuesten Stegreif Produktion. Basierend auf Maurice Ravels „La valse” gestaltet Stegreif in „escape valse” ein getanztes Konzert, umrahmt von weiteren Rekompositionen impressionistischer Werke. Wir freuen uns auf euch!

Bild: Linus Kaufhold